Seltener Panzer-Fund in Kaliningrad: Schatzjäger entdecken vergessenen Wehrmachts-Koloss
Ein bemerkenswerter Fund sorgt derzeit in der russischen Exklave Kaliningrad für Aufsehen: Auf der Baltischen Nehrung, dem russischen Teil der Frischen Nehrung, wurden die Überreste eines seltenen deutschen Spähpanzers aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Gouverneur Alexei Besproswannych gab die Sensation über seinen Telegram-Kanal bekannt. Es handelt sich um einen Panzerkampfwagen II Ausführung L, besser bekannt als „Luchs” – ein Fahrzeug, das nicht mit dem gleichnamigen Spähpanzer der modernen Bundeswehr verwechselt werden darf. Entwickelt wurde dieser Typ in den Jahren 1940 bis 1942 von den Firmen Daimler-Benz und MAN.
Die besondere Bedeutung dieses Fundes wird deutlich, wenn man die Produktionszahlen betrachtet: Zwischen 1943 und 1944 wurden lediglich 100 Exemplare dieses Panzers gefertigt. Weltweit existieren heute nur noch zwei vollständig erhaltene „Luchse” – einer im französischen Saumur, der andere im britischen Bovington. Russland verfügte bislang über keinerlei Überreste dieses Panzertyps, nicht einmal in Fragmenten.
Bei der Bergung waren neben Mitarbeitern der Grenzschutzbehörde des FSB auch Historiker und Museumsdirektoren anwesend, die den Typ des Fahrzeugs zweifelsfrei identifizierten. Trotz deutlicher Rostspuren ist der Erhaltungszustand bemerkenswert gut: Turm, Bewaffnung und Turmverkleidung sind weitgehend intakt. Zudem zeigt das Wrack ein Einschussloch sowie die sowjetische Granate, die den Panzer damals außer Gefecht gesetzt hatte – sie stammte von einem T-34-85. Laut Besproswannych gelang es den Experten sogar, die ehemalige Wehrmachtseinheit zu ermitteln, der der Panzer zugeordnet war. Den Namen der Einheit nannte er jedoch nicht.
Die Frische Nehrung und das Frische Haff waren im Frühjahr 1945 Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen der vorrückenden Roten Armee und der deutschen Wehrmacht. Reste deutscher Divisionen waren dorthin zurückgedrängt worden und hielten sich teilweise bis weit in den April 1945. Pillau, das heutige russische Baltijsk, wurde von deutschen Restverbänden sogar bis zum 8. Mai 1945 verteidigt. Eine der dokumentierten Einheiten, die mit dem „Luchs” ausgestattet war, war eine Panzer-Aufklärungs-Abteilung der 4. Panzerdivision. Deren Überreste kämpften 1945 auf der Nehrung, viele gerieten in sowjetische Gefangenschaft. Es ist gut möglich, dass genau diese Einheit den nun entdeckten Panzer einsetzte.
Zum genauen Fundort machte Besproswannych keine Angaben, ebenso wenig dazu, ob sich sterbliche Überreste der deutschen Besatzung im Wrack befanden. Klar ist hingegen die Zukunft des Kaliningrader „Luchses”: Er soll künftig in der Festung Nr. 5 ausgestellt werden, gemeinsam mit anderen erbeuteten Fahrzeugen.
Besproswannych nutzte die Gelegenheit, um einen Bezug zur Gegenwart herzustellen und kritisierte dabei die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine: „Damals, in den 40er-Jahren, haben unsere Großväter und Urgroßväter solche Panzer in Brand gesetzt. Auch heute wird dem Feind deutsche Technik geliefert, und unsere Jungs vernichten sie an der Front auf dieselbe Weise.”
Der „Luchs” ist nicht der einzige deutsche Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, der in Russland wiederentdeckt wurde. Auch die Technische Universität KNITU in Kasan meldete den Fund eines Wehrmachtspanzers – dort handelt es sich um den weitaus häufiger produzierten Panzerkampfwagen V Panther. Kasan lag allerdings nie in einem umkämpften oder besetzten Gebiet. Vielmehr diente das Beutestück während des Krieges und in der Nachkriegszeit einer Panzerschule und später der Universität als Testobjekt.
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